... eine über 250 jährige Geschichte

 

1738 - 1829 Mathias und Regina Wilhelm
Mit der Feier des 200jährigen Bestehens dieser Weinstube verbindet sich gleichzeitig eine merkwürdige Zufälligkeit, die diesem Feste eine besondere Note gibt:
Der erste Besitzer, Mathias Wilhelm, der im Jahre 1738 die Wirtschaft eröffnete, und der spätere Besitzer Karl Oberkirch stammen beide aus Burkheim am Kaiserstuhl, und dieser kann sogar in seiner Ahnentafel Nachkommen des Wilhelm aufweisen. Wie nun dieser Gründer Mathias Wilhelm auf die Weinstube am Kaufhaus kam, ist wohl kaum mehr zu erfahren. Es war keine welthistorische Tatsache, als er im Spätjahr 1738 plötzlich an einem schönen Tage einen Busch am Hause Nr. 289 am Münsterplatz heraushing, und in Hemdsärmeln unter der Türe stand und auf Gäste wartete. Er stand nicht lange vergebens. Die Burkheimer kehrten an Markttagen bei ihm ein und brachten noch diesen und jenen Gast mit.
Schon im Jahre 1746 konnte Wilhelm das Haus ankaufen, und als im Jahre 1749 seine Frau Regina Schmid ihm ein Mädchen zur Welt brachte, konnte er im Taufbuch des Münsters die Berufsbezeichnung „Bürger und Wirt“ angeben. Als er im Jahre 1769 stirbt, muß seine Witwe kräftig zugreifen.
Sie widerstand allen Schicksalsschlägen, und als sie am 31. März 1785 starb, konnte der Sohn Josef Wilhelm die Weinstube in vollem Betriebe übernehmen.

1785 - 1829 Josef und Elisabeth Wilhelm
Schon im Jahre 1769 hatte er sich in die Küferzunft aufnehmen lassen und als Zünftiger fiel es ihm leichter, die Wirtschaft zu führen; vorher war es allerdings notwendig, die behördliche Bewilligung zu holen. Er hatte inzwischen eine Anstellung als Kanzlist und Schreiber erhalten. Man versprach ihm aber, die Erlaubnis für die Wirtschaft trotzdem zu geben. Am 8. April 1785 erhält er die Antwort auf sein Gesuch von der Stadt, in der ihm die Erlaubnis gegeben wird; man sehe ein, daß er von dem kleinen Schreibergehalt nicht leben könne. Eine Notiz besagt allerdings noch, daß ihm der Weinschank nur so lange erlaubt sei, als sein Gehalt den Betrag von 300 Gulden nicht überschreite.
Auf dem Rathause hatte man aber diesen Entscheid recht bald vergessen. Wenigstens erkundigte sich die Stadt am 14. September 1790 nach den Eigentumsverhältnissen seiner Wirtschaft.
Diesmal konnte er eine deutliche Antwort geben: „Es wurde ihm auf das Jahr 1785 erfolgte Absterben seiner Mutter Regina Wilhelmin der Weinschank am 8. April 1785 verliehen, welchen sie vom Jahre 1738, mithin bis dahin volle 47 Jahre hindurch ohnbeschränkt betrieben habe, auf welchen sich auch sowohl der verstorbene Vater und Mutter bürgerlich und zünftig eingelassen haben“. Demnach besitze er von seinen Eltern her die „Personalvergünstigung“, außerdem benötige er dringend die Einnahmen aus der Wirtschaft für seine fünf noch unerwachsenen Kinder. Mit dieser Antwort gab sich die Stadt zufrieden.


Josef Wilhelm waltete nun als ehrsamer Kanzlist und in der freien Zeit besorgte er sein Wirtschäftchen mit seiner Frau. Diese „Doppelverdienerei“ ist auch in den ersten Adresskalendern der Stadt, die um jener Zeit aufkamen, angegeben. Im Jahre 1825 kommt er dort als pensionierter Kanzlist vor und im Jahre 1830 wird er nicht mehr aufgeführt. Schon im Jahre 1815 starb seine Frau Elisabeth Wisler, „Stadtkanzlistenfrau“, und er folgte ihr am 29. Juni 1829, 89jährig.


1829 - 1834 Josef Laurent
Nach seinen Tode wurde das Haus mit der Wirtschaft an einen Josef Laurent, über den die Nachrichten schweigen, verkauft.


1834 - 1863 Christian Hummel
Aber schon 1834 gab Laurent das Anwesen an den Buschwirt Christian Hummel ab. Hummel hatte vorher schon in der Gauchstraße 35 - damals Klarissergasse genannt - eine kleine Wirtschaft betrieben, die ihm aber zu klein war. Hier auf dem Münsterplatz konnte er sich viel mehr entfalten, und er bot alles auf, um die kleine Weinstube zu vergrößern und mehr Gäste anzulocken. Lange dauerte sein Kampf, bis er endlich die Erlaubnis erhielt, warme Speisen abzugeben, da die alten Buschwirtschaften nur Wein und einige kalte Speisen abgeben durften.
Es gelang ihm nach langem Bitten, die ehemalige Buschwirtschaft in ein Restaurant umwandeln zu dürfen, und er konnte nun wenigstens warme Speisen verabreichen, was von den Marktleuten schon lange gefordert wurde. Immer wieder hatte man ihm die Erlaubnis dazu versagt.

1863 - 1936 Eduard Hummel
Beinahe 60 Jahre lang führten die beiden Hummel Vater und Sohn die Weinstube neben dem Kaufhaus, und die Beziehungen, die durch diesen ersten und dem späteren Besitzer, Karl Oberkirch, nach dem Kaiserstuhlstädtchen Burkheim angeknüpft wurden, sollten auch in Zukunft ebenso lebendig und vielseitig bleiben.
Jetzt wurde auch noch die kleine Wirtsstube zu eng, und Eduard Hummel kaufte kurz entschlossen die andere Haushälfte dem Schuhmacher Johann Schmid um 12.000 Gulden am 13. Juli 1870 ab und baute den ganzen unteren Stock zur Wirtschaft aus, nachdem er diese 1863 von seinen Vater Christian Hummel übernommen hatte. In diesem Zustand ist die Weinstube am Münsterplatz noch allen Freiburgern bekannt.
„Der Hummele am Münsterplatz“ war für jeden Freiburger ein Begriff. Er dachte dabei an jene kleine Wirtschaft neben dem Kaufhaus, wo die Bürger und Handwerker aus der Gegend sich ab und zu bei einem Glas Wein ein Stelldichein gaben, und wo am Vormittag die Marktleute ihren Kaffee tranken; und wenn das Geschäft auf dem Markt gut ging, dann kamen sie auch zum Mittagessen. Es war jene Zeit vor und nach dem 1870er Kriege, als Freiburg sich allmählich ausdehnte und sich ein Ring von neuen Straßen mit vielen neuen Häusern um die Altstadt legte. Der Zuzug von Fremden nach Freiburg war ziemlich stark, und die Lebensverhältnisse in der Stadt änderten sich allmählich.

Diese Veränderung spürte man sogar auf dem Münsterplatz, der Zulauf vom Lande nahm zu, der Umsatz stieg, und befriedigter kehrten die Marktleute am Samstagnachmittag wieder heim. Einer merkte besonders etwas davon:
Es war Eduard Hummel mit seiner kleinen Wirtschaft neben dem Kaufhaus.............

Und so ging´s weiter ...

1936 - 1967 Karl und Elise Oberkirch
Elise und Karl Oberkirch erwarben 1936 das Haus und führten die Weinstube weiter.
Die Sage verkündet, daß Karl Oberkirch während des schweren Bombenangriffes auf Freiburg im Jahr 1944 den im historischen Kaufhaus am Münsterplatz ausbrechenden Brand mit Weinen aus seinem Weinkeller gelöscht hat.
Das Haus Oberkirch blieb auf wundersame Weise verschont.

Ab 1951 arbeitete seine Tochter Helga im Betrieb mit. In diesem Jahr kam auch ein weiteres Gebäude hinzu: der ehemalige Pferdestall des Wikingerpalais (heute das Landgericht) brannte im Krieg vollständig aus und wurde als Hotelgebäude wieder aufgebaut. Im Jahre 1951 wurde dann die Eröffnung des Hotels gefeiert.

1967 - 1991 Helga Johner-Oberkirch und Herbert Johner
Helga Oberkirch heiratete im Jahre 1957 Herbert Johner und ab der Zeit waren beide
im Geschäft tätig. 1967 übernahm das Ehepaar pachtweise den elterlichen Betrieb, der 1984 in ihren Besitz überging.

1991 - 1997 Helmut Johner und seine Lebensgefährtin Doris Hunn
1991 schließlich übergaben sie das Haus ihrem Sohn Helmut Johner, der den Hotel- und Restaurantbetrieb bis zu seinem Tode 1997 weiterführte. 1992 wurde das Haus am Münsterplatz umfangreich renoviert und die so entstandenen Hotelzimmer und Restauranträume bieten heute modernen Komfort in der Athmosphäre eines traditionsreichen Hauses.


Seit 1998 führt Doris Hunn  das Oberkirch und die lange Tradition des Hauses wird erfolgreich fortgesetzt ...


 
 
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Quelle: „Der Alemanne“,
27. November 1938
200 Jahre Weinstube
am Kaufhaus .
Die Geschichte einer
Buschwirtschaft auf dem
Freiburger  Münsterplatz


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